„Die Antragsteller fordern den Rat der UN-Stadt Bonn auf, mit geeigneten Maßnahmen auf eine plastiktütenfreie Stadt  Bonn hinzuwirken.“

Der Bürgerantrag mit diesem Anliegen wurde am 26.9.2013 von Abenteuer Lernen e.V. als Vertreter des Netzwerks “Plastiktüte? Nein danke!” gestellt.

Begründung:

Die Herstellung jeder Plastiktüte verbraucht wertvolles Erdöl. Die Tüten werden im Durchschnitt nur 25 Minuten genutzt, sind nicht abbaubar und zerstören dadurch nachhaltig die Umwelt. So tragen Plastiktüten massiv zur Entstehung von Müllstrudeln in den Ozeanen bei. Aber auch wenn – wie in Bonn – der Großteil der Plastiktüten in der Müllverbrennungs-anlage landet, ist dies eine enorme Verschwendung von Rohstoffen. Eine normale Tüte wiegt 20 Gramm, für ihre Herstellung werden 40 Gramm Öl benötigt. Geht man von dem aktuellen Verbrauch von 71 Tüten pro Bundesbürger und Jahr aus, könnten durch ein Verbot in Deutschland pro Jahr 227 Millionen Liter Erdöl eingespart werden. 

Das Bonner Netzwerk „Plastiktüte? Nein danke!“ setzt auf das Bedürfnis der Bürgerinnen und Bürger, zu einem sinnvollen Umgang mit Rohstoffen und Ressourcen und damit zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen.

Das Projekt „Plastiktüte? Nein danke!“ wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Bundeswettbewerb 2012 für sein Engagement „Förderung von lokalen Bildungs- und Kompetenznetzwerken für Nachhaltigkeit“ ausgezeichnet und mit einem Preisgeld von 32.000 Euro ausgestattet. Im Projektzeitraum (Oktober 2012 bis September 2013) wurden zahlreiche Experimentierkurse in Schulen, Jugendzentren, Offenen Ganztagsschulen und Kindertagesstätten durchgeführt, eine GPS-Konsumrallye entwickelt und Experimentiermaterial zum Verleih mit entsprechenden Anleitungen konzipiert.

In vielen Gesprächen mit Menschen in Supermärkten und Kaufhäusern, bei Straßenaktionen und Festen, bei Kursangeboten und Projekten wurde deutlich, dass die Bereitschaft sehr groß ist, sich auf den Verzicht auf die Plastiktüte tatsächlich einzulassen. Der Aufruf zur Plastikfasten-Aktion zwischen Aschermittwoch und Ostern 2013 hatte eine große Resonanz – und dies keineswegs nur in „Öko-Kreisen“, sondern in breiten Bevölkerungsschichten und  traditionellen Geschäften in der Innenstadt. Die Verhüllung der Bonner Johanniskirche in (gebrauchte) Plastiktüten im September 2013 stieß auf sehr großes Interesse bei der Bevölkerung und in den Medien.

Wir fordern daher den Rat der Stadt Bonn auf, den Verzicht auf Plastiktüten in Bonn zu einem gemeinsamen Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zu machen und alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auszuschöpfen, dies umzusetzen.

Hierzu gehören:

-       Konsequenter Verzicht auf Plastiktüten durch die Bonner Verwaltung.

-       Verhandlungen mit dem Bonner Einzelhandel mit dem Ziel, die Plastiktütenausgabe zu verhindern.

-       Werbeaktion mit geeigneter Öffentlichkeitsarbeit in allen städtischen Bereichen für das Anliegen. 

-       Projekte in Schulen, Kindertagesstätten und Jugendzentren.
(Die Materialien für den experimentellen Unterricht, die im Rahmen des Projektes „Plastiktüte? Nein danke!“ entstanden sind, können beispielsweise kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.)

-       Runder Tisch mit Vertretern der Gewerbegemeinschaften und der IHK.

Wir vertreten die Auffassung, dass Menschen sich keineswegs in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen, wenn sie beim Einkauf keine Plastiktüte erhalten.

Für uns stehen Aufklärung und Bildungsarbeit für Nachhaltige Entwicklung im Vordergrund, damit auch künftige Generationen noch über ausreichend Rohstoffe und Ressourcen verfügen. Das Thema „Plastiktüte? Nein danke!“ bietet einen Einstieg der Bonner Bürgerinnen und Bürger in den Diskurs. Der Charme liegt in der Einfachheit des Anliegens: Jeder kann einen relevanten Beitrag zum Wohle heute lebender und kommender Genera-tionen leisten, indem er auf die Plastiktüte verzichtet. Dies stärkt das Verantwortungsgefühl eines jeden Einzelnen für die Gesellschaft.

Bonn kann so die erste plastiktütenfreie Stadt Deutschlands werden und einen neuen Impuls für eine nachhaltige Entwicklung setzen. International würde die UN-Stadt Bonn damit dem Beispiel einiger großer Städte wie San Francisco, Los Angeles oder Neu Delhi sowie verschiedener Länder wie Bangladesh, Ruanda, Australien und Bhutan folgen.